Mainhattan trifft Manhattan

Frankfurter Stadtteile im Vergleich mit ihren New Yorker Pendants.
Der Spitzname „Mainhatten“ ist kein reiner Zufall: Dieser scherzhafte Titel spielt nicht nur auf Frankfurts beeindruckende Wolkenkratzer an, sondern auch auf die Ähnlichkeiten zu New York City. Und diese gehen weit über die imposante Skyline hinaus. Wir werfen einen Blick auf sechs verblüffend ähnliche Stadtteile beider Finanzmetropolen.
Westend – Upper East Side
Finanzmärkte mögen unberechenbar sein, doch die Zentren der Branche sind seit jeher pulsierende Konstanten. Frankfurts Westend etwa liegt in unmittelbarer Nähe zur Frankfurter Börse und zum Bankenviertel, was es zum idealen Standpunkt für Unternehmen macht, die persönliche Zusammenarbeit und kurze Arbeitswege großschreiben. Diese begehrte Lage, kombiniert mit der klassischen Architektur, ermöglicht einen Lebensstil, der dem all jener ähnelt, die in Manhattans Upper East Side wohnen und in Midtown arbeiten. Auch in puncto Stadtbild ähneln sich beide Bezirke: Das Westend bietet wilhelminische Altbauwohnungen – diese wurden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erbaut und zeichnen sich durch charmante hohe Decken, hohe Fenster und Parkettböden aus. Sie befinden sich in umgebauten Stadthäusern der Jahrhundertwende und sind Frankfurts Antwort auf New Yorks begehrte Vorkriegswohnungen, die ebenfalls mit hohen Decken, Holzböden und dekorativen Elementen glänzen. Im Sektor Neubau, vor allem den Nachkriegswohnungen, reicht das Angebot von Gebäuden aus den 1950er-Jahren bis hin zu hochmodernen Neubauten. Beide Stadtteile legen zudem großen Wert auf ihre Grünflächen: New Yorker:innen etwa schlendern vor der Arbeit gerne durch den Central Park, während man in Frankfurt durch den prachtvollen Palmengarten spazieren kann.
Nordend – West Village
Wer durch das Nordend oder das West Village bummelt, kennt dieses Gefühl: davon zu träumen, eines dieser charmanten Viertel sein Zuhause nennen zu können. Das Nordend und das West Village wirken wie eigene kleine Städte inmitten pulsierender Metropolen. Und beide Stadtteile sind aufgrund ihrer prächtigen historischen Gebäude und malerischen Straßen mit ihren entzückenden Boutiquen und Restaurants überaus beliebt.
In den 60er- und 70er-Jahren entwickelte sich Frankfurts Nordend zum Brennpunkt der westdeutschen Studentenbewegung – vergleichbar mit der zentralen Rolle, die das Village für die amerikanische Gegenkultur spielte. Und so wie das Village die berühmte NYU beheimatet, liegt ein Teil der Goethe-Universität im Nordend. In beiden Stadtteilen ist dieser unkonventionelle, kreative Geist immer noch deutlich spürbar und lädt mit einer nach wie vor lebendigen Café-Kultur zum Verweilen ein. Während der Friedberger Platz im Nordend zu einem der beliebtesten Feierabend-Hotspots in Frankfurt wird, bietet der Brunnen im Washington Square Park in New York City die ideale Kulisse zur Abkühlung an warmen Tagen.

Europaviertel – Hudson Yards
Das Europaviertel und Hudson Yards könnten als Zwillinge durchgehen. Beide Stadtteile bieten moderne Wohnanlagen, die auf stillgelegten Bahngeländen entstanden sind. Hier gibt es vor allem moderne Gebäude – sogar brandneue. Altmodische Wohnungen sucht man hier vergebens. Stattdessen erwarten Sie moderne Apartments mit zeitgemäßen Grundrissen und Annehmlichkeiten, darunter superschnelle Aufzüge, schallisolierte Wände und versteckte Innenhöfe, die nur den Bewohner:innen vorbehalten sind. Im Herzen beider Viertel befinden sich modernste Einkaufszentren: The Shops & Restaurants in New York und das Skyline Plaza in Frankfurt. Beide bieten eine Fülle an Shopping- und Gastronomieangeboten – selbstverständlich inklusive H&M-Filialen. Das Europaviertel und Hudson Yards sind architektonische Meisterleistungen, die scheinbar aus dem Nichts entstanden sind. Aufgrund ihrer industriellen Vergangenheit liegen sie jedoch etwas außerhalb der Stadtzentren.
Bockenheim – Morningside Heights
Neben ihrer Rolle als internationale Finanzzentren sind Frankfurt und New York Heimat renommierter Universitäten. Es ist bezeichnend, dass Bockenheim, Frankfurts wichtigstes Studentenviertel und langjähriger Standort des Hauptcampus der Goethe-Universität, sein Pendant in Morningside Heights findet, einem Stadtteil, der von der Columbia University geprägt ist – insbesondere aufgrund der langjährigen und direkten Verbindungen zwischen den beiden Universitäten. Das Herzstück des akademischen Lebens ist die Goethe-Universität. Sie beherbergt das Institut für Sozialforschung, die Geburtsstätte der Frankfurter Schule: eine Denkrichtung, die von Philosophen wie Max Horkheimer, Theodor Adorno und Walter Benjamin begründet wurde. Das Institut ist auch seit Langem mit der Columbia University verbunden und hatte von 1934 bis 1951 seinen Sitz in New York. Von 2001 bis 2017 wurde es von Axel Honneth geleitet, der an beiden Universitäten als Professor tätig ist. Cafés, gemütliche Bars und Kneipen sowie angeregte Gespräche über Gott und die Welt prägen diese akademischen Stadtteile. Beide Gegenden sind bekannt für ihr großes Angebot an internationalen Restaurants und beliebten Treffpunkten für Studierende wie die Konditorei „The Hungarian Pastry Shop“ (Morningside Heights) oder das Stattcafé (Bockenheim). Hier tauschen sich Studierende und Professor:innen nicht nur über Philosophie, sondern auch über tiefgründige Herzensangelegenheiten aus. Printmedien sind in Bockenheim und Morningside Heights allgegenwärtig. Unabhängige Buchhandlungen sind ein fester Bestandteil beider Stadtteile, und man sieht eher jemanden, der bei einem Stück Kuchen einen Roman liest, als jemanden, der auf seinem Smartphone scrollt.

Sachsenhausen – Upper West Side
Sowohl Sachsenhausen als auch die Upper West Side beherbergen historische Viertel von außergewöhnlichem Charme. Sie wirken wie unveränderte, in Sepiatöne getauchte Momentaufnahmen aus einer vergangenen Ära. Sachsenhausen besticht durch traditionelle Fachwerkhäuser mit steilen Dächern, Fensterkästen voller blühender Geranien, summende Gaslaternen und Kopfsteinpflasterstraßen mit Messingplaketten in Apfelform. Zu den ikonischen Gebäuden der Upper West Side zählen das Dakota, ein Wohnhaus im Stil der deutschen Renaissance aus den 1880er-Jahren, sowie das San Remo und das El Dorado, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Emery Roth erbaut wurden, der das Erscheinungsbild Manhattans maßgeblich prägte. Weniger bekannt als diese majestätischen Wohnhäuser, aber wahrhaft märchenhaft, ist der Pomander Walk in der Upper West Side: ein Häuserblock mit 27 prächtigen Tudorhäusern, die sich nahtlos in Sachsenhausen einfügen würden. Die Uferpromenade ist ein integraler Bestandteil beider Stadtteile: Während der Main an Sachsenhausen grenzt, erstreckt sich der Riverside Park entlang des Hudson River.
Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es ein reiches Kulturangebot: Am Ufer von Sachsenhausen befindet sich Frankfurts Museumsufer, ein Viertel mit zahlreichen Kultureinrichtungen. Zu den Höhepunkten zählen das Städel mit 700 Jahren Kunstgeschichte sowie das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum, das Filme aus aller Welt zeigt. Die Upper West Side beherbergt wiederum das American Museum of Natural History, das New York Historical Museum und natürlich das Lincoln Center mit der Metropolitan Opera, den New Yorker Philharmonikern, dem New York City Ballet und dem Film at Lincoln Center.
Bornheim – East Village
Da Bornheim den Spitznamen Das lustige Dorf trägt, passt es gut, dass auch das East Village, sein New Yorker Pendant, den Beinamen „Village“ trägt. Heute präsentieren sich beide Viertel als pulsierende Hotspots, die ihre einst wilde Vergangenheit scheinbar hinter sich gelassen haben. Doch in den angesagten Restaurants und coolen Boutiquen spürt man ihn noch: einen subtilen Hauch der früheren, ausschweifenden Zeiten. Alteingesessene New Yorker:innen mögen den Kopf schütteln, dass aus dem CBGB ein John-Varvatos-Laden geworden ist, doch zahlreiche zwielichtige Lokale gibt es immer noch. Dazu zählen die 1993 eröffnete Underground-Sake-Bar Decibel, das PDT, eine Bar im Stil einer Flüsterkneipe, die man durch eine Telefonzelle in einem Hotdog-Laden betritt, und die Holiday Cocktail Lounge, die 1950 in einem Gebäude von 1835 ihre Pforten öffnete und schon Gäste wie Leo Trotzki und Iggy Pop bewirtete. Bornheim bietet alle erdenklichen Craft-Cocktails, darunter die vielen Angebote in der berühmten Berger Straße, und ist zudem für einige der ältesten Apfelweinwirtschaften der Stadt bekannt: Apfelwein Solzer, gegründet 1893, serviert bis heute köstlichen Apfelwein und traditionelle deutsche Küche.